Institut für Sozialforschung und berufliche Weiterbildung gGmbH Neustrelitz

„Tagespflegepersonen stärken"
Videogestützte Interaktionsberatung in der Kindertagespflege.


Ausgangssituation

An die Arbeit in der Kindertagespflege werden vielfältige und zugleich hoch professionell auszuführende Anforderungen gestellt. Grundlage der Arbeit bildet dabei die pädagogische Prämisse, jedes Kind sowohl in Kindertageseinrichtungen als auch in der Kindertagespflege individuell zu fördern. Die Bildungskonzeption für Kinder von 0 bis 10 Jahren stellt dafür einen verbindlichen Handlungsrahmen dar.

Die Kindertagespflegepersonen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind sich diesen Anforderungen bewusst und gaben an verschiedenen Stellen den Anstoß, sich mit Fragen zur Umsetzung in der Praxis auseinandersetzen zu wollen, dabei in einen fachlich angeleiteten Austausch miteinander zu treten und zugleich das eigene methodische Handlungsrepertoire zu erweitern und kritisch zu hinterfragen. Im Fokus soll hierbei die Interaktion zwischen Kind und Kindertagespflegeperson stehen, die unter den besonderen Aspekten von Bindung und Bildung, Beobachtung und Dokumentation sowie Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern betrachtet wird.

Zielstellung

Die ISBW gGmbH und sein Verbundpartner, der Verein zur Förderung der Kindertagespflege im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte e. V., verfolgen mit dem Modellvorhaben „Tagespflegepersonen stärken - Videogestützte Interaktionsberatung in der Kindertagespflege" das Ziel, ein fachliches Unterstützungssystem für Kindertagespflegepersonen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte (MSE) zu etablieren. Dieses Unterstützungssystem ergänzt und vertieft die Qualifizierungsangebote zur Bildungskonzeption sowie die Angebote zur Fach- und Praxisberatung im Landkreis. Somit zielt das Projekt einerseits auf den Ausbau bisher erworbener Handlungskompetenzen von Kindertagespflegepersonen und andererseits auf die Initiierung langfristiger Vernetzungen zum Fach- und Erfahrungsaustausch der Kindertagespflegepersonen untereinander.

Umsetzung

Das Projekt ist als dreijähriges Modellvorhaben angelegt und wurde in einem ersten Schritt aufgrund jahresbezogener Haushaltsmittel für den Zeitraum 01.06. bis zum 31.12.2014 beantragt. Der aktuelle Förderzeitraum ist vom 1.1.2015 bis 31.12.2015.

Die Arbeit im Modellprojekt konzentriert sich auf den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Organisatorisch sind der Aufbau und die Begleitung von vier standortbezogenen Gruppen in den Regionen Neubrandenburg, Neustrelitz, Waren (Müritz) und Demmin angedacht.Im Sinne der Nachhaltigkeit und der Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse der Tagespflegepersonen erfolgt die Maßnahme in Kooperation mit dem Verein zur Förderung der Kindertagespflege im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte e.V. Aktuell treffen sich eine Neustrelitz/Demmin/Neubrandenburg-Gruppe, eine weitere Neubrandenburger Gruppe und eine Warener Gruppe monatlich.

Inhalte

Beziehungserfahrungen haben in den ersten Lebensjahren eines Kindes einen prägenden Einfluss auf seine soziale, emotionale und kognitive Entwicklung. Vor diesem Hintergrund spielt die Art und Weise des Umgangs miteinander, die Qualität der Beziehung zwischen Kindertagespflegeperson und Kind eine wesentliche Rolle dabei, wie sich das Kind entwickelt. Kinder benötigen die Gelegenheit, zuverlässige sekundäre Bindungen zu ihren Betreuerinnen und Betreuern aufzubauen. Dazu ist es erforderlich, die Wahrnehmung von kindlichen Interaktionsmustern im Kontakt mit wichtigen Bezugspersonen (wie z. B. Mutter, Vater, Kindertagespflegeperson) zu schulen.

Im Modellprojekt lernen die Kindertagespflegepersonen deshalb, anhand von Videosequenzen kindliche Verhaltensweisen zu deuten und die Reaktionen der Bezugspersonen zu reflektieren. Das kann dabei helfen, die Kinder und sich selbst besser zu verstehen und eigene Bindungs- und Beziehungserfahrungen in der Auswirkung auf das eigene pädagogische Handeln zu erkennen.

In einer engen Theorie-Praxis-Verzahnung wird dabei ein fortwährender Bezug zum Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag des KiföG hergestellt und folgende Themenschwerpunkte vertiefend aufgegriffen:

    • eigene Rolle als Kindertagespflegeperson
    • Bild vom Kind
    • Übergänge gestalten
    • Entwicklungsaufgaben von Kindern
    • Bildungs -und Erziehungsbereiche
    • Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern
    • Eingewöhnung
    • sprachliche Entwicklung
    • Bindungsthemen
    • Beobachtung und Dokumentation
    • Frühpädagogische Bildung.

 

Ablauf und Organisation

Zur Umsetzung der Projektziele sind Gruppentreffen, Einzelberatungen in der Häuslichkeit sowie Intensivtage geplant. Diese gestalten sich wie folgt:

Gruppentreffen zur Interaktionsberatung

    • vierwöchentliche Treffen der jeweiligen Regionalgruppe (ca. 2 h)

In den vier regionalen Gruppen mit jeweils acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern finden regelmäßig alle vier Wochen moderierte Gruppenbesprechungen in Form kollegialer Beratung statt. Hier spielt neben der videogestützten Fallbesprechung anhand von neutralen Lehrvideos auch die Vermittlung theoretischer Inhalte eine Rolle. Praktisches Handeln wird eng mit Grundkenntnissen aus der Entwicklungspsychologie des Säuglings- und Kleinkindalters und der Bindungsforschung verknüpft. Die Gruppe bietet Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs der Tagespflegepersonen untereinander.

Einzelberatung

    • Begleitung/Hospitation und Erstellung von Videoaufzeichnungen im Betreuungsalltag
    • Je Tagespflegeperson drei Einzelberatungen pro Jahr in der Häuslichkeit, davon eine in der beantragten Projekt-Laufzeit


Für jede der teilnehmenden Tagespflegepersonen ist eine individuelle, personenbezogene Beratung in der Häuslichkeit vorgesehen. Die Beratung stützt sich vornehmlich auf ausgewählte Videosequenzen des Betreuungsalltages, die durch die Beraterin zuvor erstellt werden. Es wird eine Anfangsphase mit ausschließlicher Nutzung von Fremdmaterial (neutrale Lehrvideos) eingeplant. Die Tagespflegepersonen werden unter fachlicher Begleitung lernen, Interaktionen zu analysieren und dadurch für das Verhalten und die Entwicklungsaufgaben von Kindern sowie für das eigene Verhalten und die Einfühlung in die kindlichen Gefühle und Bedürfnisse geschult.

Intensivtage

    • drei komplette Weiterbildungstage pro Jahr pro Gruppe, davon ein Intensivtag in der beantragten Projekt-Laufzeit


Die konkrete inhaltliche Ausgestaltung der Intensivtage richtet sich individuell nach den Bedarfen und Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe und wird durch die Moderatorin/den Moderator dementsprechend vorbereitet. Hier wird es beispielsweise um die Entwicklung und praktische Umsetzung von Eingewöhnungsmodellen, die Zusammenarbeit mit Eltern, Entwicklungsaufgaben und Entwicklungsauffälligkeiten von Kindern gehen.


Geplante Laufzeit:       01.06.2014 bis 31.05.2017

Kontakt:

Isa Rahn
D.-Bonhoeffer-Str. 18
17192 Waren (Müritz)


Tel. 03991 180038
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gefördert von:

lagus            sm klein